Man muss dem ins Auge sehen !
Jeder Wanderer hat sich bestimmt schon einmal die Frage gestellt: „Was ist mein Leistungsvermögen?“ Wandern ist aus meiner Sicht kein Leistungssport! Wandern muss Spaß machen. Es verbindet Bewegung an frischer Luft mit dem Genießen der Natur, unserer Heimat, mit dem Kontakt und dem Gespräch mit gleichgesinnten Leuten. Die dann sogar schon Freunde geworden sind. Dies alles, verbunden mit dem Kennenlernen der Geschichte und der Leute aus dieser Region. Was kann es für ältere Menschen Besseres geben?
Nun ist es aber Fakt, dass wir alle älter werden. Über 70 % unserer Wanderfreunde in unserem Verein Leipziger Wanderer e.V. sind Ü 70. Und jetzt muss jeder für sich entscheiden, ob er bei jeder Wanderung an die Leistungsgrenzen gehen will? Wer das so macht, hat sich aber dann aus der Gruppe der Genusswanderer verabschiedet.
Sicher sollte man sich bei der Mehrzahl der Wanderungen fordern. Aber nicht
überfordern.
Ich habe mir mein Bild angesehen und mir selbst die Frage gestellt, was mein Gesichtsausdruck wohl sagt?
Ist es die Freude, die Wegstrecke 18 km und 300 hm hinauf auf die Bastei (beliebtester Aussichtspunkt in der Sächsischen Schweiz mit neuer Aussichtsplattform! - Es ist ein Muss, dass jeder, der sich Wanderer nennt, einmal dort die Aussicht ins Elbtal genossen haben sollte!) geschafft zu haben?
Ist es eine gewisse Zufriedenheit, doch die richtige Idee gehabt zu haben und einfach einen Teil der Wegstrecke mit dem Bus zu fahren? Denn sonst wäre die Strecke von Pirna inkl. Schloss Sonnenstein mindestens 6 km länger gewesen.
Ist es die Überwindung des Stolzes, doch bei Bergtouren die Kniebandagen anzulegen und die Wanderstöcke einzusetzen?
Wie auch immer? Auf jeden Fall habe ich zum Zeitpunkt, als der Fotograf auf den Auslöser gedrückt hat, noch nicht daran gedacht, dass mir noch ein beschwerlicher Abstieg über Hunderte von Stufen hinunter nach Rathen bevorstand. Ich musste bzw. ich habe mich bei jeder Stufe, jedem Schritt über die Stöcke abgestützt! Das kostet Zeit und Nerven, um die Schmerzen in Grenzen zu halten. Leider musste die gesamte Gruppe unten auf mich warten. Aber geschafft ist geschafft!
Das heißt, es ist Zeit, der Realität ins Auge zu schauen und zukünftig „kleinere Brötchen“ zu backen.
Klaus Siebeneichner
WG „Hopfenberg“
Verein Leipziger Wanderer e.V.
Foto: Mathias Göring